Giessener Anzeiger, 11. Juni 2026
Abschluss im Kapitel Bergwerkswald

Spielplatz im Wohngebiet „Nördlich Breiter Weg“ endgültig auf dem Weg der Umsetzung
Linden – Der Spielplatz „Nördlich Breiter Weg“ in Leihgestern kann bald umgesetzt werden. Diese gute Nachricht gab es in der Sitzung des Lindener Stadtentwicklungsausschusses.
Bereits vor zwei Jahren hatten Lindens Parlamentarier für das Spielareal-Projekt einen Aufstellungs-beschluss gefasst, wurden jedoch durch einen Wiesenknopf-Ameisenbläuling- Verdachtsfall ausgebremst. Bei dieser Insektenart handelt es sich um einen streng geschützten Schmetterling, doch es gab letztlich kein Exemplar auf dem Gelände. „Jetzt soll die Bauleitplanung zügig fortgeführt werden, um nach den Sommerferien zu einem Satzungsbeschluss zu kommen“, so Bürgermeister Fabian Wedemann (CDU). Ihm pflichtete Lothar Weigel (FDP) bei, hatten doch die Liberalen einst diesen Spielplatz beantragt und später geunkt: „Wenn die Kinder groß sind, dann ist wohl auch der Spielplatz fertig.“ Daran erinnerte der Liberale nochmals.
Zu den Anregungen gehörte unter anderem die Anpflanzung des Heuchelheimer Schneeapfels. Hier gab es eine einstimmige Beschlussempfehlung für die in zwei Wochen tagende Stadtverordnetenversammlung.
Jeweils gegen die Stimmen von SPD und FWG wurde eine letzte Empfehlung zum Dauerthema „Gewerbegebiet Am Bergwerkswald“ mehrheitlich getroffen. Ein endgültiger Satzungsbeschluss folgt in der Stadtverordnetenversammlung wie auch die Abstimmung über zwei dazugehörige städtebauliche Vereinbarungen. Die Vertragswerke lagen den Parlamentariern vor, jedoch aus Datenschutzgründen nicht der Öffentlichkeit.
„Überschaubare Restrisiken“
Wie Wedemann erläuterte, ging es darum, vertraglich sicherzustellen, dass keine Kosten bei der Stadt verbleiben. „Insgesamt handelt es sich nach Einschätzung der Verwaltung um übliche städtebauliche Verträge mit überschaubaren Restrisiken“, erläuterte das Stadtoberhaupt.
Wedemann erinnerte noch einmal daran, dass „die Situation bereits seit Jahrzehnten besteht, ohne dass sie ernsthaft angegangen wurde. Umso erfreulicher ist es, dass es nun gelungen ist, das Vorhaben innerhalb von drei Jahren auf einen tragfähigen Weg zu bringen und die Voraussetzungen für eine funktionierende Lösung zu schaffen.“ Im ersten Gebäude sei ein echtes Gewerbeunternehmen angesiedelt, das nicht nur Arbeitsplätze schaffe, sondern auch Gewerbesteuereinnahmen auslöse. „Ich bin froh, dass dort endlich Ruhe einkehren wird. Gleichzeitig können wir unsere Energie künftig verstärkt auf Projekte und Aufgaben richten, die dem Gemeinwohl und der Weiterentwicklung unserer Stadt unmittelbar zugutekommen“, fasste Wedemann den langen Prozess zusammen.
FWG-Fraktionsvorsitzender Joachim Schaffer kritisierte einmal mehr: „Ich halte nach wie vor die Nachlegalisierung nicht für richtig, auch wenn der Weg der richtige sein mag.“ Zur Satzungsbeschluss-Empfehlung wurden vom beauftragten Planungsbüro Fischer aus Wettenberg eine 55-seitige Begründung und ein 48-seitiger Umweltbericht vorgelegt. Der Bebauungsplan regelt, dass es sich beim„Gewerbegebiet Am Bergwerkswald“ um ein stark eingeschränktes Gewerbegebiet handele, das nur unter strengen Umwelt-, Sicherheits- und Nutzungsauflagen entwickelt werden dürfe, da dort Altlasten, Leitungen und naturschutzrechtlich sensible Bereiche vorhanden sind.
Die Fläche ist im Flächennutzungsplan als gewerbliche Baufläche und im Regionalplan Mittelhessen als Siedlungsbestand gesichert und umfasst 27.605 Quadratmeter. Davon entfallen 14.154 Quadratmeter auf Gewerbeflächen, 6.936Quadratmeter bleiben unbebaut, ergänzt durch Verkehrs-, Wald und Wegeflächen. Zur Kompensation sind 2.288 Quadratmeter Ausgleichsflächen vorgesehen.
Keine neuen Erkenntnisse
Bereits zu Beginn der Legislaturperiode 2016/21 wurde das Stadtentwicklungskonzept Linden 2036 beschlossen. Wie Wedemann dazu ausführte, liegen die Schwerpunkte auf den Themen Wohnen, Gewerbe, Infrastruktur sowie Grün- und Freiraumentwicklung.
Nach der Sommerpause soll den Gremien die Wohnraumbedarfsanalyse vorgestellt werden. „Neue Erkenntnisse wird es keine geben“, betonte Wedemann.
Wie es jetzt mit „Linden 2036“ weitergehe, müsse nach den Sommerferien gemeinsam geklärt werden. Kritisch äußerte sich das Stadtoberhaupt zu immer neuen Strategien und Konzepten, verbunden mit Förderanträgen, welche zusätzliche Investitionen erforderlich machten und dann unter dem Strich bei einer Bewilligung wenig Mehrwert bringen würden.
Die zentrale Frage sei daher, ob weiterhin Geld für Planungen und Visionen ausgegeben werden solle oder man stattdessen konkrete Projekte umsetzen und auch einmal auf die Planung aus der Verwaltung heraus vertrauen wolle.
THOMAS WISSNER