Bauernhofkita

Gießener Anzeiger, 09. August 2019

Bauernhofkita in weiter Ferne

Eigentümerwechsel am Birkenhof bringt neue Unwägbarkeiten / Befragung von Eltern zeigt mangelndes Interesse

Von Thomas Wißner

LINDEN. Es war ein Satz von Bürgermeister Jörg König, der in der Jugendausschusssitzung im Juni aufhorchen ließ, als er zum Thema Bauernhofkita ausführte: „Aufgrund der Kritikpunkte haben wir diese auf der zeitlichen Schiene nach hinten gesetzt.“ Linden benötigt dringend Kindergartenplätze, richtet nach den Sommerferien neben einer zweiten Waldkindergartengruppe auch eine Notgruppe in der Evangelischen Stadtmission in Leihgestern sowie ein zweites Pflegenest in Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt in Großen-Linden ein – und sucht weiterhin dringend nach Betreuungsmöglichkeiten.Bauernhofkita 2019 08 09

Doch einen Bauernhofkindergarten auf dem Birkenhof wird es wohl nicht geben. Mittlerweile gab es einen Eigentümerwechsel und ob die neue Eigentümerin, die Landwirtschaft betreibt und vor diesem Hintergrund auch die für die Bauernhofkita vorgesehene ehemalige Stallung benötigt, überhaupt an einer Kita auf ihrem Areal interessiert ist, muss nun das Stadtoberhaupt klären. Als König vor 13 Monaten das Projekt einer Bauernhofkita erstmals vorstellte, war die Euphorie noch groß, Linden wollte hier Vorreiter im Landkreis Gießen sein.

Mit Kindergärten-Koordinatorin Simone Müller hatte die Stadt zudem eine Mitarbeiterin gewinnen können, die bereits an ihrer vorherigen Wirkungsstätte eine Bauernhofkita realisiert und die Idee mit nach Linden gebracht hatte. Lernen mit den Jahreszeiten, Vorbereitung des Übergangs in die Schule, Wertebildung durch Nähe zu Natur und Umwelt, vielfältige Sinneseindrücke durch rege Selbstbildungsprozesse und Bewegung – mit diesen Argumenten hatte Müller für das Konzept geworben. Linden wollte als erste Kommune einen solchen Bauernhofkindergarten auf demBirkenhof in Leihgestern, einem landwirtschaftlich nicht mehr genutzten Aussiedlerhof,einrichten.

1,1 Kilometer zu Fuß

Damit begannen die Probleme. Bedenken gab es aufgrund des Standorts: Die Kinder müssten täglich 1,1 Kilometer zu Fuß zum ortsaußerhalb gelegenen Hof zurücklegen – hin und zurück. Zudem gab es dort keine Tiere mehr, von Bauernhofidyll also weit und breit keine Spur. Zudem sollte der  Bauernhofkindergarten ausschließlich Kindern im letzten Kindergartenjahr vorbehalten sein. Bis zu 40 Kinder sollten in zweiGruppen hier in einer homogenen Kita betreut werden, wobei geplant war, im März 2019 mit einer Gruppe von 20 Kindern zu starten. Im September vergangenen Jahres brachte es dann Joachim Schaffer (FW) in der Jugendausschusssitzung auf den Punkt: „Es war einmal ein Bauernhof. Hier handelt es sich eher um eine Fahrzeughalle statt einer Bauernhofkita. Eine solche sollte gemacht werden, wenn sie auch den Namen verdient.“ Auch SPD-Fraktionsvorsitzende Gudrun Lang sah das Vorhaben „sehr kritisch“ und als einen „verzweifelten Versuch des Bürgermeisters, von irgendwo Plätze zu generieren“. Trotz allem wurden einstimmig in einem Haushaltsnachtrag 20 000 Euro für Planungskosten samt 300 000 Euro als Verpflichtungsermächtigung eingestellt.

Die seinerzeit angeregte Elternbefragung brachte für die Verwaltung ein niederschmetterndes Ergebnis. Das Interesse war sehr gering. Viel Verunsicherung bestand darin, ob Eltern, wenn sie ihr Kind für die Bauernhofkita anmelden, ihren „normalen“ Kitaplatz verlieren. Von der Kostenseite ganz zu schweigen, wären doch mehr Arbeiten erforderlich als zunächst angenommen, weshalb letztendlich auch bisher noch keine genaue Kostenschätzung vorgelegt wurde.

Vor diesem Hintergrund ist es zweifelhaft, ob König hier eine Mehrheit im Parlament finden würde, zumal einzig und allein „seine“ CDU hier dem Stadtoberhaupt bisher öffentlich beistand, während das Vierer-Bündnis mit SPD/FW/Grüne/FDP dem Vorhaben durchweg kritisch gegenüberstand und mehr Informationen und Kostenschätzungen angemahnt hatte. Zudem wurden gegenüber der ursprünglichen Planung immer mehr Eingeständnisse gemacht, sollten doch Eltern zuletzt gar die Möglichkeit haben, ihre Kinder direkt am Bauernhof abzuliefern. Auch dies führte nicht dazu, dass das Interesse größer wurde. Einzig und allein die Stadt Laubach hatte signalisiert, aufgrund fehlender Tiere Hammel zur Verfügung zu stellen. Ob vor diesem Hintergrund eine Bauernhofkita auf dem Birkenhof realisiert werden kann, erscheint fraglich, allerdings wird wohl das Projekt Bauernhofkita weiter verfolgt und nach einer Innerortsmöglichkeit gesucht.

SPEZIALISTEN VOR ORT

FREIE WÄHLER als Garant für Zuverlässigkeit und Beständigkeit in der Kommunalpolitik

Kontakt

FW FREIE WÄHLER Linden
Im Niederfeld 5
35440 Linden

E-Mail schreiben

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok