Grube Fernie Planungen

Gießener Anzeiger, 21. Januar 2019

Nur Ruhezonen schaffen

Lindener Stadtverordnete tagen vor Ort in der Grube Fernie / Planungen für Umgestaltung vorgestellt / Bauausschuss berät am 30. Januar

LINDEN (ee). Es ist alles gut, aber es geht besser Grube Fernie m Planund die Frage wann ist ein Plan ein Plan,  wurden bei der historischen Lindener Stadtverordneten-sitzung in der Grube Fernie behandelt. Historisch deshalb, weil erstmals in der nunmehr 42-jährigen Stadtgeschichte eine Parlamentssitzung Open Air vor Ort stattfand. Dabei erläuterten Holger Brusius als  Funktionsbeschäftigter Naturschutzvon Hessen Forst in Wettenberg und Ulrike Brockerhoff von der Oberen Natur-schutzbehörde des Regierungspräsidiums (RP) Gießen den Parlamentariern das Vorhaben der Wegverlegung (der Anzeiger berichteten) und bestätigten die Aus-führungen von Bürgermeister Jörg König, dass es sich um eine freiwillige Maßnahme handele über die einzig und allein die Stadt entscheidet. „Die Maßnahme ist naturschutzfachlich nicht zwingend notwendig. Sie ist ein Angebot, denn hier könnten mehr Wasservögel brüten“, stellte Brusius klar.

Dem Ortstermin folgt dann am Mittwoch, 30. Januar, eine Sitzung des Bauausschusses, die in der Volkshalle Leihgestern stattfindet.

Bei leichten Minusgraden, Sonnenschein, einem idyllisch wirkenden Gewässer mit zwei Schwänen gingen Brusius und Brockerhoff auf die Maßnahme ein, die im Fall einer Zustimmung wohl im August/September umgesetzt werden soll und zwischen 12 000 und 14 000 Euro kosten wird. Allerdings werden diese Kosten vom Regierungspräsidium übernommen, sodass der Stadt keine Kosten entstehen werden. Zu Beginn hatte der für die Erstellung eines Schutzwürdigkeitsgutachtens vom RP beauftragte Matthias Korn (Linden) von einem sehr regen Wasservogelleben mit sehr häufigen, aber auch kurz verweilende seltene Vogelarten auf der sieben Hektar umfassenden „Grube Fernie“ berichtet. Ein nahe am Ufer verlaufender Weg stelle eine permanente Störung dar, wobei Fußgänger mit Hunde doppelt wirkten, weshalb oft beruhigte Bereiche bei solchen Projekten angelegt würden, wo niemand hingehen könne.

„Solche Gewässer in dieser Art und Qualität gibt es nur wenige in Hessen. Deshalb ist es auch ein FFH-Gebiet“, erklärte Brusius einleitend. Hier gehe es nun, darum einen Teil des Weges zu beruhigen, um Ruhezonen zu schaffen, und zudem in der Ruhezone Schilfzone einzurichten, damit sich dort mehr Wasservögel niederlassen können. „Mehr als das soll nicht passieren, dann wird die Wertigkeit steigen“, verwies Brusius auf ein bereits in den 80er Jahren im Bebauungsplan festgehaltenes Vorhaben der Naturschutzbehörde, dass ein Teil des Weges beruhigt werden sollte. „An der Auszackung des Weges soll es einen Blick auf See mit Geländer geben, was als Aussichtsplattform bezeichnet wurde“, ging Brusius auf den neu zu schaffenden Weg ein, der eine Breite von 2,50 Meter aufweisen soll und für den zwischen 30 und 50 Sträucher weichen müssten. Die Neuanlage des Weges würde zwischen 6000 und 8000 Euro kosten und für die ein bis drei zu schaffenden Buchten für die Flachwassergestaltungen wurden etwa 1500 bis 2000 Euro pro Bucht geschätzt. Durch solche Buchten bleibe der Gewässerrand weitgehend von Freizeitnutzung verschont, könnten sich Uferrandvegetation sowie Schilfgürtel entwickeln, würden Bruthabitateignung für Wasservögel gefördert und Gehölze in Gewässernähe blieben erhalten. Von den aktuell 25 bis 30 Anglerplätze würden zwei Anglerplätze am See entfallen. Lobende Worte gab es für den Angelsportverein (ASV) Großen-Linden, als Pächter und für Gewässerpflege samt Besucherlenkung verantwortlich, denn der Verein wirke dämpfend auf den Erholungsverkehr. Zur Frage wie es sich mit der Wasserentnahmestelle der Feuerwehr in diesem Bereich verhalte, räumte der Bürgermeister ein, dass aktuell aufgrund der Neustrukturierung einer nahe gelegenen Firma nicht klar sei, ob diese noch benötigt werde. Sollte sie notwendig sein, gebe es ein Angebot die Verlegung zu finanzieren, stellte Brockerhoff klar, denn eine Zufahrt könne auch auf dem Gelände des ASV geschaffen werden.

Nachdem die Bitte zur Vorlage eines Plans zur Bauausschusssitzung laut wurde, stellte Brusius klar, dass dies kein Plan wie im Straßenbau sei. „Ich warne vor übertriebenen Erwartungen bei Planvorlagen“, werde doch aufgrund geringer Planungs- und Kostenaufwand diese klein gehalten.

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