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Seit 40 Jahren Sitzungsraum

Gießener Anzeiger, 03. Juli 2024

Ungewöhnliche Idee zahlt sich aus

Vier Jahrzehnte Stadtverordnetensitzungen in den Lindener Ratsstuben

StVV Tagungsraum

Linden (twi). Bekanntlich sollen Feste ja so gefeiert werden, wie sie fallen. Doch bei allen Festivitäten, die das Jahr so zu bieten hat, da kann es natürlich auch schon einmal vorkommen, dass ein solches »Fest« nicht bemerkt wird oder gar in Vergessenheit gerät. Als in der vergangenen Woche Lindens Parlamentarier zur Stadtverordnetensitzung im Sitzungssaal der Lindener Ratsstuben zusammenkamen, da wäre es noch zu früh gewesen und die Sitzung hätte gut und gern auf den heutigen Mittwoch gelegt werden können. Denn am 3. Juli 1984 fand in diesem 120 Quadratmeter großen und sich in privater Hand befindlichen Raum erstmals eine Stadtverordnetensitzung statt.

250 Sitzungen sind es, die nun im Verlauf von vier Jahrzehnten hier stattfanden. Mit dem heutigen Stadtrat Wolfgang Gath (SPD) und Ehrenbürgermeister Dr. Ulrich Lenz in den Reihen der CDU-Fraktion sind es gerade noch zwei Politiker, die vor vier Jahrzehnten auch an der ersten Sitzung in diesem Raum teilnahmen. Unverändert bis heute geblieben ist die Anzahl der Stadtverordneten mit 37 und des Magistrats mit neun Personen. Verändert hat sich jedoch das politische Spektrum. Waren es vor 40 Jahren gerade mal drei Fraktionen, die dem Parlament angehörten, so sind es heute derer fünf und hinzu kommen noch zwei weitere Mandatsträger, so dass sechs Parteien sowie ein unabhängiger Stadtverordneter vertreten sind.

Raum im Rathaus war vorgesehen

Vor dem Bau von Stadthalle, Ratsstuben mit Kegelzentrum und Sitzungssaal fanden die Parlamentssitzungen im Feuerwehrgerätehaus in Großen-Linden und in den Sälen der Gastwirtschaften »Zum Kronenwirt« in Großen-Linden, »Zum Löwen – beim Philipp« und »Zur Krone« in Leihgestern statt. Doch wie das nun mal so ist, gibt es auch eine Vorgeschichte zu diesem Sitzungssaal, dessen Ursprung in der Diskussion zum Bau eines Rathauses liegt. 1977 wurden Großen-Linden und Leihgestern zur Stadt Linden zusammengeschlossen. Erst mit der Errichtung des Rathauses 1986 wurden dann beide Verwaltungen im Stadtzentrum zusammengeführt. In diesem Rathausneubau war auch zunächst ein Raum für die Stadtverordnetenversammlung vorgesehen.

Eine für den Rathausneubau gebildete Kommission besuchte mehrere Städte und Gemeinden, darunter auch Heuchelheim. Dort hatte die Bieberbachgemeinde in ihrem Verwaltungsgebäude einst für 400 000 DM einen Raum errichtet, der jährlich Kosten von 100 000 DM verursachte – und dies bei gerade mal einer Sitzung pro Woche. Zum damaligen Zeitpunkt gab es zudem noch einen Reparaturstau, der auch einige 10 000 DM in Anspruch nehmen sollte. Genau zu dieser Zeit kam Dr. Eckhard Nöh auf Bürgermeister Dr. Ulrich Lenz zu mit dem Anliegen, die Stadt solle eine Kneipe mit vier Kegelbahnen an die Stadthalle anbauen. Die Idee des damaligen Vorsitzenden des Kegelvereins Gut-Holz Großen-Linden fand jedoch keinen Anklang, obwohl Nöh immer wieder darauf verwies, dass auch andere Vereine Sporträume und Spielflächen zur Verfügung gestellt bekamen. »Eine blöde Situation «, schildert Ehrenbürgermeister Dr. Ulrich Lenz seine damalige Situation.

So machte er Nöh den Vorschlag, doch einmal zu überlegen, ob er nicht die Kneipe, vier Kegelbahnen und einen Sitzungssaal für die Stadtverordnetenversammlung und Ausschüsse und städtische Veranstaltung bauen wolle. Um ihm das schmackhaft zu machen, könnte ihm das Grundstück zu einem günstigeren Preis überlassen werden. Dr. Nöh überlegte und willigte ein. Dies alles wurde im Kaufvertrag festgeschrieben, wobei Nöh einen Sitzungssaal mit 120 Quadratmetern errichten muss und dies direkt anhängend mit Verbindung zur Stadthalle. Außerdem wurde vereinbart, dass dieser Saal an zwei Tagen in der Woche der Stadt Linden zur Verfügung steht. Ausdrücklich erwähnt wurde, dass etwa Reinigung, Heizung und Instandhaltung vom Eigentümer zu erbringen sind. Diese Punkte erfuhren Wahrung im Grundbuch. Während des Baus wurde zusätzlich noch eine Zugangsmöglichkeit zum Sitzungssaal eingerichtet, ohne durch die Kneipe zu müssen. Dies sollte die Nutzung für die Stadt sichern, auch in Zeiten von Ruhetagenund bei einem Pächterwechsel.

Einzigartig und kostensparend

»Kurz nach Vertragsschluss meinte die SPD-Fraktion, dieser Vertrag sei für Dr. Nöh eine Bevorzugung und für die Stadt ein Nachteil gewesen«, so Lenz. Daraus ergab sich eine heiße Diskussion mit dem Ziel, Lenz in ein schlechtes Licht zu stellen. Dieser schaltete in seiner Bedrängnis den Steuerzahlerbund ein und bekam von dort, nachdem dieser alle Verträge und Festlegungen eingesehen hatte, ein dickes Lob, das in Worten ausgedrückt »einzigartig, kostensparend « lautete. Die einst gefassten Beschlüsse einer wahrlich bahnbrechenden Zusammenarbeit zwischen privater und öffentlicher Hand wurde anschließend vielfach kopiert. Auch wenn manchmal, auch bedingt durch Pächterwechsel, Sand im Getriebe war, der Sitzungssaal schon mal doppelt vergeben war oder aber die Stadt vergaß, eine Sitzung anzumelden, so hat es bestens funktioniert. Auch den zahlreichen Beanstandungen »zu heiß, zu kalt, stickig, zu klein, zu leise« wurde Abhilfe geschaffen, eine Klimaanlage eingebaut und eine Mikrofonanlage angeschafft.

Profitiert haben bis heute gleich drei Seiten. Zuallererst natürlich die Stadt, die seit 40 Jahren keine Kosten hat, dann der Pächter, der erheblich mehr Betrieb durch Sitzungen und Veranstaltungen der Stadt und damit ein besseres Auskommen hat und auch der Eigentümer bekam seine gewünschten vier Kegelbahnen und durch die städtischen Veranstaltungen sowie der Nähe zur Stadthalle einen höheren Bekanntheitsgrad.

»Heute versuchen wir durch interkommunale Zusammenarbeit Kosten zu sparen, das Modell Stadt Linden/Dr. Nöh ist im Grundbuch festgeschrieben und damit mindestens so gut«, lobte vor zehn Jahren beim 30-jährigen Lenz im Nachhinein diesen gelungenen Schachzug, denn »die Stadt brauchte kein Dorfgemeinschaftshaus zu bauen. Und gerade solche Häuser sind heute allen Gemeinden ein Klotz am Bein«.

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