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Sudetenstraße

Gießener Allgemeine, 28. August 2019

Mehr als 70 neue Wohnungen sollen in Großen-Linden entstehen - Anwohner protestieren

Von Stefan Schaal - 28.08.19 18:30

SudetenstraßeBis zu 20 Millionen Euro wollen Investoren in ein neues Bauprojekt in Linden stecken: Mehr als 70 Wohnungen könnten an der Sudetenstraße entstehen. Anlieger protestieren und wollen eine Petition einreichen.

Rund 70 neue Wohnungen in vier Mehrfamilienhäusern sollen auf einem seit mehreren Jahren brach liegenden Streifen an der Sudetenstraße in Großen-Linden entlang der Bahnlinie entstehen. Architekt Felix Feldmann und Investor Daniel Beitlich von der Revikon GmbH haben das gemeinsam mit der Stadt anvisierte Vorhaben am Dienstagabend vorgestellt. Das Investitionsvolumen liegt bei 18 bis 20 Millionen Euro.

Gerüchte machten bereits seit mehreren Monaten die Runde, dass sich auf dem 1,6 Hektar großen Areal zwischen Sudetenstraße und den Gleisen etwas tut. Das Stadtparlament dürfte das Vorhaben am Dienstag in die Wege leiten und einen Aufstellungsbeschluss verabschieden. Im Bauausschuss sprach sich eine deutliche Mehrheit dafür aus. Nur die SPD-Fraktion stimmte gegen das Projekt.

Die neuen Wohngebäude sollen in dem Bereich in Höhe der Ludwigstraße auf einer Länge von 275 Metern bis zum Bahnhof entstehen. Drei Vollgeschosse in Richtung Bahn im Osten sind geplant – laut Feldmann zugunsten des Schallschutzes wegen des Bahnverkehrs – und zwei plus Staffelgeschoss in Richtung Bestandsbebauung der Sudetenstraße im Westen. Die Bebauung soll niedriger als bestehende Dachhöhen liegen.

Um den Verkehr in der Sudetenstraße zu entlasten, soll eine Straße, die zum Lückebachtal führt, als "Bypass-Verbindung" zu den Garagen der Anwohner dienen. Bezahlbarer Wohnraum soll entstehen, sagte Beitlich. Denkbar sei eine gedeckelte Miete.

Kleingärten drohen zu verschwinden

Die Investoren schlagen vor, auf dem Areal zusätzlich rund sieben Doppelhäuser sowie ein Einfamilienhaus und einen Kindergarten zu errichten, darüber hinaus seien rund zehn Seniorenwohnungen möglich. Beschlossen ist wohlgemerkt noch nichts. "Die Stadt hat die Planungshoheit", sagte Feldmann. Die Gemeinde müsste für das Projekt eine 4500 Quadratmetergroße Fläche an Revikon verkaufen. Kosten entstünden der Stadt im Rahmen des Projekts keine.

Anlieger allerdings wehren sich gegen das Bauvorhaben. 40 Anwohner verfolgten die Sitzung des Bauausschusses. Eine "grüne Lunge" in Linden drohe zu verschwinden, sagte einer von ihnen. Bedroht ist außerdem ein halbes Dutzend Kleingärten auf der Fläche. "Das liegt schwer im Magen", sagte Dr. Christof Schütz von der Grünen-Fraktion. Gudrun Lang (SPD) hob das Vorhaben als "innovativ" hervor, die Verbindung zu Bus und Bahn sei günstig. Allerdings sei das Areal ein schützenswerter Lebensraum mit alten Linden und Rubinien sowie Haselmausbeständen. Die Investoren versprachen, eine Infoveranstaltung zu organisieren.

Das Gelände liegt seit Jahrzehnten brach. Vor etwa einem Jahr wurden dort ohne Genehmigung Betonablagerungen deponiert. Diese habe man inzwischen entfernt, sagte Feldmann. Mit 100 000 Euro sei man damit in Vorleistung gegangen.

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